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Fake Folk

Blackmail | platzDADA!

The Truly Paradox Story Of Original Fake Folk Music

Jeder der vier Musiker von PAGO LIBRE steht in einer musikalischen Tradition, keiner von uns jedoch kann in seiner Familie einen archaisch jodelnden Bergbauern oder Balalaika spielenden Kosaken vorweisen. Mit einem Wort: Um unsere volkstümliche Authentizität ist es schlecht bestellt.

Wenn wir nun aber von verschiedensten Volksmusiken fasziniert und geprägt sind? Wenn wir seit Jahren unsere Spielweise immer mehr mit volks-musikantischen Praktiken angereichert haben? Wie können wir authentisch sein? Jedenfalls nicht durch Imitation – das Ergebnis wäre das genaue Gegenteil von authentisch. Wir mussten unsere Glaubwürdigkeit schon selbst finden.

Also schufen wir unsere individuelle Volksmusik: Anstatt die Musik unserer Vorfahren zu ergründen, betrachteten wir unsere eigene musikalische Geschichte; anstatt die Melodien fremder Länder aufzuzeichnen, erforschten wir die Musik der Völker, die in unseren Eingeweiden, in unseren Herzkammern und unter unseren Schädeldecken hausen.

So entstanden Musikstücke, die in ihrem musikantischen Zugriff und ihren zwar komplexen, aber immer tänzerischen Rhythmen nicht selten an reale Folk-Stile erinnern: FAKE FOLK gewissermaßen. Wir sagen: Es ist unsere persönliche Originalmusik, Original FAKE FOLK also.

Natürlich ist FAKE FOLK auch "Weltmusik", global orientiert, allen Einflüssen offen – und gleichzeitig doch auch das Gegenteil davon, nämlich kompromisslose Individual-Musik.
Und schließlich ist es eine Volksmusik, deren Volk vorerst nur aus vier Personen besteht …
Original Fake, Individual Global, Volksmusik ohne Volk:
paradox ist das schon,

ABER SOOO SCHÖN !!

Text: Tscho Theissing, Foto: Julia Wesely

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Blackmail

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"Wie kaum eine andere Formation im Fahrwasser zeitgenössischer Jazzkultur arbeitet das international besetzte Quartett pago libre mit der assoziativen Energie von bildhaften Eindrücken." (Jazzpodium) Schon die CD "cinémagique" (2001) trug den Untertitel "15 soundtracks for an imaginary cinema", und allein 2004 gab es bereits ein Museumskonzert im Angesicht der Gemälde Kandinskys und ein gemeinsames Projekt mit dem Tanztheater Wien unter Liz King. Visuelle Aspekte scheinen bei pago libre immer präsent zu sein; es war nur eine Frage der Zeit, bis sich das Ensemble auch auf real existierende Filme stürzen würde.

Hitchcock's Schwarzweissfilm "Blackmail" (Erpressung; 80 Minuten, 1929) – der letzte, den er in seiner Heimat Großbritannien realisierte, bevor er endgültig in die USA übersiedelte – existiert in zwei verschiedenen Versionen: Er wurde noch als Stummfilm geplant und begonnen; als aber während der Dreharbeiten der Tonfilm populär wurde, beschloss der Produzent, die letzte Rolle mit Ton aufzunehmen, ein damals weit verbreiteter Kompromiss. Hitchcock setzte jedoch durch, dass er eine entscheidende Szene neu drehen, andere nachsynchronisieren konnte - allerdings war er sehr sparsam und phantasievoll im Umgang mit dem Ton. Berühmt wurde auch die Verfolgungsjagd im Britischen Museum, die Hitchcock ausschließlich im Studio mit Hilfe von Trickaufnahmen drehte. Jedenfalls existiert neben der Fassung mit Ton auch noch die ursprüngliche Stummfilmversion, die bei pago libre zum Einsatz kommt.

Die Handlung: Alice White ist mit dem Kriminalbeamten Frank Webber, der bei Scotland Yard in London arbeitet, so gut wie verlobt. Gelegentlich gibt es kleine Meinungsverschiedenheiten, weil Frank zu wenig Zeit für sie hat. Nach einem solchen Streit lässt Frank sie in einem Restaurant alleine sitzen. Alice wird von einem Mann angesprochen und folgt ihm in seine Wohnung. Als er zudringlich wird, ersticht sie ihn in Notwehr und flieht. Ausgerechnet Frank wird mit der Untersuchung des Falls beauftragt. Er erkennt in dem Toten den Mann, mit dem Alice das Lokal verlassen hat und findet am Tatort ihren Handschuh. Aber auch ein Mr. Tracy weiß Bescheid und versucht, Frank und Alice zu erpressen. Doch dann gibt es eine Zeugenaussage, die ausgerechnet Tracy belastet; und Frank droht unverhohlen, ihm den Mord anzuhängen. Tracy verliert die Nerven, flieht und verunglückt auf der Flucht tödlich. Alice fühlt sich nun doppelt schuldig und will bei Franks Vorgesetztem endlich die Wahrheit sagen; aber ein Zufall unterbricht ihre Beichte... (aus: Reclams Filmführer, Stuttgart 1996)

   

pago libres Musik für den Stummfilm "Blackmail": Passend zur Stummfilmfassung hat pago libre einen spannenden Soundtrack kreiert, der einerseits Stücke enthält, die speziell für den Film geschrieben wurden, andererseits aber auch bereits bestehende Kompositionen aus dem pago libre Repertoire integriert (die bereits auf den 5 CDs des Ensembles zu hören sind). Dazu kommen eindrucksvoll-bildhafte und bewegende Improvisationen, die jede Darbietung zu einer Uraufführung werden lassen. Im Laufe der jahrelangen Arbeit an dem Projekt "Blackmail" nahm die von pago libre entwickelte Musik eine immer sorgfältiger durchdachte und ausgefeilte Form an. In ihrer aktuellen Fassung enthält die Partitur nicht weniger als 41 Stücke (einschliesslich eines Tangos von Eric Satie). Ein zentrales Leitmotiv dieser neuen Musik bildet sicherlich das gemeinsam entwickelte Werk "Waltz for Alfred Hitchcock“ (zu hören auf der CD "stepping out").

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pago libre sextett
arp – schwitters – charms

absurde poesie aus den 20er jahren mit musik von heute:
von hans arps wolkenpumpe über kurt schwitters' ursonate zu daniil charms’ schnickschnack

Poesie, kongenial zum Klingen gebracht: das europäische Top-Ensemble PAGO LIBRE vertont skurrile Meisterwerke von drei zentralen Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts.

HANS ARP (1887-1966) betätigte sich zeit seines Lebens gleichermaßen literarisch wie als bildender Künstler. 1916 war er in Zürich einer der Mitbegründer des Cabaret Voltaire und damit der gesamten dadaistischen Bewegung; seine Texte gehen aber in ihrer magischen Tiefe weit über das heute an Dada so beliebte Aktionistisch-Humoristische hinaus.

Weiter nördlich, in Hannover, entwickelte gleichzeitig der Werbetexter und Universalkünstler KURT SCHWITTERS (1887-1948) seine eigene, dem Dadaismus verwandte "Merzkunst". Ende der 20er-Jahre schrieb er seine "Sonate in Urlauten", deren präzis gesetzter repetitiver Rhythmus heute noch zu verzaubern weiß. Schwitters war übrigens mit Arp eng befreundet.

Noch weiter nördlich, in St.Petersburg, machte sich DANIIL CHARMS (1905-1942) mit seiner rabenschwarzen Mischung aus Sprachwitz, Slapstick, absurden Szenen und makabrem Humor schon bald bei der Obrigkeit verdächtig. Er landete deshalb auch immer wieder im Gefängnis, wo er während der 900tägigen Nazi-Belagerung der Stadt einsam verhungerte.

Das internationale Ensemble PAGO LIBRE gehört seit vielen Jahren zu den interessantesten Musikgruppen Europas - die Musiker des Sextetts stammen aus der Schweiz, aus Österreich, Irland, Russland und Frankreich. Ihre Musik verarbeitet Einflüsse aus verschiedensten Volksmusiken und aus dem Jazz genauso wie  E-Musik-, Hip Hop- und Improvisationselemente, nicht ohne eine gehörige Portion Virtuosität und Humor. Alle Ensemble-Mitglieder agieren gleichermaßen als Instrumentalisten, Sänger und Sprecher; dadurch erreichen sie eine  gegenseitige Durchdringung von Musik und Literatur, die dieses opulente Hörbuch zu einem einzigartigen Erlebnis macht.

pago libre sextet:
Agnes Heginger
– Gesang
Tscho Theissing – Violine, Stimme
Arkady Shilkloper – Horn, Flügelhorn, Alphorn, Stimme
John Wolf Brennan – Klavier, Stimme
Georg Breinschmid – Kontrabass, Stimme
Patrice Héral – Schlagzeug, Stimme

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